Kann Schule Spaß machen? Schulpolitik: Der Weg zur Gemeinschaftsschule

Veröffentlicht am 09.12.2014 in AG 60plus

Bild: Richard Mall

 

 

 

 

 

 

 

 

                                     

Kann Schule Spaß machen?                                                                                                    Schulpolitik: Der Weg zur Gemeinschaftsschule / Ulli Gerle

Es ist erstaunlich, wie es der SPD-Arbeitsgemeinschaft 60 plus Heilbronn Stadt und Land mit ihrem Vorsitzenden Sieghart Brenner immer wieder gelingt über interessante und wichtige Themen zu informieren.

Diesmal erlebten die Anwesenden einen hochspannenden Nachmittag, ging es doch um nichts weniger, als um die Zukunftsperspektiven unseres Landes.

Günther Weigel, Rektor der Hellbergschule in Eppingen und SPD Kreisrat, stellte in einer eindrucksvollen Präsentation zunächst die Schularten / WerkRealSchule(WRS), HauptSchule (HS), Realschule, Gymnasium vor. An Hand der „Kontingentstundentafel“ erklärte er die unterschiedlichen Schwerpunkte von Realschule und Gymnasium, sowie die zu erfüllenden Voraussetzungen für diese Schularten. Lernen soll Freude bereiten - Kinder und Eltern gleichermaßen glücklich machen. Über - bzw. Unterforderung erzeugen Frust und Unlust bei Schülern, Lehrern und Eltern. Daher ist die richtige Schulwahl so wichtig. Günther Weigel nannte konkrete Entscheidungshilfen und die dafür notwendigen Voraussetzungen.

Dann wandte sich der Referent seinem eigentlichen Thema der GeMeinschaftsSchule zu. Vielfalt macht schlauer; so lautet der Leitgedanke der Gemeinschaftsschule.

Doch was ist damit gemeint?

In der GMS wird länger gemeinschaftlich gelernt, die Lerngruppen sind heterogen zusammengesetzt; menschliche Unterschiede werden als Bereicherung verstanden; Schüler mit Handicap gehören dazu; es gibt keine Trennung nach Klasse 4; es wird der bestmöglicher Abschluss angestrebt - doch ohne frühzeitige Festlegung; es gibt kein Sitzenbleiben - keine Hausaufgaben – keine häusliche Lernzeit; eine neue Lernkultur wird eingeführt mit individualisiertem und kooperativem Lernen; jede GMS ist in der Sekundarstufe I (bis Klasse 10)verbindlich eine Ganztagesschule.

Wie geht dies in der Praxis von statten?

Da die Lerngruppen heterogen zusammengesetzt sind bezüglich Leistungsstärke und Lernfortschritt, da Schüler mit Handicap dazugehören, lernen sie schon frühzeitig sich vielfältig einzubringen; sie erfahren, dass Heterogenität nicht nur ihrem Team, sondern auch jedem einzelnen Vorteile bringt. Jeder lernt nach seinen Möglichkeiten. Jeder hat seine Fächer, in denen er stark ist, aber auch solche, in denen er wachsen kann. Glücklicherweise sind diese Stärken und Schwächen unterschiedlich verteilt. Wer gut in Mathe ist, hat möglicherweise in Englisch Defizite. Deshalb können die Schüler in ihren Paradedisziplinen auch den schwächeren, Mitschülern Unterstützung geben. Die Effekte, die dabei auftreten, sind vielfältig: Zum einen lernen die Schüler verständlich zu erklären, zum anderen sind sie gezwungen, insbesondere nach „dummen Fragen“, den Stoff  intensiver zu durchdringen. Hierdurch wird Selbstbewusstsein und ein positives Selbstwertgefühl gefördert. Wie das nach einem Frusterlebnis in Englisch, wohl tut!

Es gibt in der GMS keine Jahrgangsklassen; die Schüler bleiben als Lerngruppe zusammen. Welcher Abschluss wann gemacht wird, bleibt zunächst offen und wird später entschieden; so werden wichtige Tore nicht vorzeitig geschlossen. Jeder lernt nach seinen Möglichkeiten. Sitzenbleiben gibt es nicht; damit wird Schülern, Lehrern und Eltern viel Stress erspart; Traumen, wie Versetzungs-ängste, Verlust gewachsener Freundschaften, Scham, etc. entfallen.

Aber zu meinen, dass Leistung für die GMS nicht so wichtig sei, wäre ein großer Irrtum. Das Gegenteil ist richtig!

Statt der numerischer Noten gibt es eine permanente Lernbegleitung. Lernentwicklungsberichte, benennen konkret Stärken und Schwächen, um  effektive Hilfen aufzuzeigen. Jeder Woche ist zwischen Lehrer und Schüler ein 10 - minütiges Rückmeldegespräch vorgesehen, in dem die vergangene und die zukünftige Woche besprochen wird. Den Schülern wird vermittelt, dass sie  selber ihre Lernfortschritte steuern. An Hand eines „Kompetenzrasters“ lernen sie sich selber „objektiv“ einzuschätzen.

Die Lehr - und Lernorganisation mit ihren drei Bereichen, ist ein weiteres, wichtiges Element der GMS. Günther Weigel  erläuterte,  was unter Gemeinsamem Lernen (Präsentation, Vortrag, Referat), individualisiertem Unterricht (Freiarbeit, Lernwerkstatt), kooperativem Unterricht  (Projekte, Gruppen - und Partnerarbeit) zu verstehen ist. Auch hier herrscht eine enorme Vielfalt. Mit durchgeführten Projekten und anschließender Präsentation können auch Nichtbeteiligte einbezogen werden. Schüler der Hellbergschule in Eppingen bauten beispielsweise das Trassenstück einer Römerstraße nach, um sie nach Fertigstellung ihren Eltern zu präsentieren; diese waren fassungslos vor Staunen und Begeisterung. Das hatten sie ihren Kindern nicht zugetraut.

Auch für die Schüler des GMS ist eine feste Struktur des Schullebens wichtig. Nach 8 Stunden Schule, Hausaufgaben werden während der Schulzeit unter qualifizierter Aufsicht erledigt, ist Schulschluss. Jeder Schüler hat seinen Arbeitsplatz und seinen eigenen Laptop, für den er verantwortlich ist. Nach 2 Stunden Unterricht, ist eine 20 - minütige Bewegungspause vorgesehen.

Die GMS ist ein Angebot, das künftig schulartübergreifend alle 3 Stufen (grundlegendes, mittleres und das erweiterte Niveau) umfasst.

Aktuell sind an der GMS Real - und Hauptschulabschluss möglich.

Nach diesem packenden Vortrag hatten die interessierten Zuhörer Gelegenheit Fragen zu stellen. Mehrfach wurde die Fülle der Angebote in der GMS bestaunt („am liebsten würde ich jetzt in die Schule gehen“) Doch es gab auch kritischer Fragen, die erkennen ließen, dass sie von Schulexperten gestellt wurden. Wie reagiere man auf einen hohen Migrationsanteil (Deutschkenntnisse)? Braucht die Gemeinschaftsschule nicht „den Überlehrer“? Wie lassen sich die hohen Anforderungen an Lehrer erfüllen?

Sieghart Brenner, Vorsitzende SPD-Arbeitsgemeinschaft 60 plus musste den Fragenstrom bändigen, um das Zeitlimit der Veranstaltung einzuhalten.

Bleibt nur noch die Frage: Kann Schule Spaß machen?

Offensichtlich muss dies mit „JA“ beantwortet werden  -  jedenfalls dann, wenn man den Tränen weinender Schülern der Hellbergschule Eppingen bei Ferienbeginn, glauben mag.

Wer sich weiter informieren möchte hat hierzu Gelegenheit:

  • Beim Tag der Offenen Tür in der Hellbergschule in Eppingen;                                                      Freitag, 27. Februar 2015 - 14:00 bis 18:00 Uhr

 

          

 

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